Ebenfalls um 5 Uhr sind sicher ein Dutzend Helferinnen und Helfer, Gruppenleiter, Küche und der Übungsleiter aufgestanden. Danke.

Vor dem Gebäude sind um 06:30 Uhr schon eine stattliche Anzahl Leute am plaudern. Alle tragen sie einen grünen Badge und ein Namensschild mit der Gruppeneinteilung. Wo man dies wohl bekommt?

Im Ess-Saal beim Eingang begrüsst mich ein fröhliches Gesicht und nimmt mein Leistungsheft entgegen, händigt mir das fein säuberlich gedruckte Namensschild aus und Beat will unbedingt noch meine Ausweise sehen.

Ich kann mir beim fröhlichen Gesicht einen faulen Spruch nicht verkneifen. Ich hätte es besser gelassen, denn es ist wie früher beim Tennis: Gott straft sofort. Somit fasse ich auch prompt das Bericht schreiben, was ich der aufgestellten Person (Brigitte) natürlich nicht ausschlagen konnte.

Punkt 07:00 Uhr begrüsst der Übungsleiter Hansruedi Deller 67 Teilnehmer (davon ein Viertel Polizisten), stellt die Gruppenleiter vor, verweist darauf, dass später noch fünf Jungmotorfahrer dazu stossen werden und macht auf die aufliegenden Dokumentationen aufmerksam:

- Der neue «Motorfahrzeugführer», Ausgabe 2017, mit QR-Code

- Die Pocket Card. Diese Card ist jetzt ca. 1 Jahr im Umlauf und sollte bei keinem Motorfahrer nur in der Tasche verstauben. Sie wurde entwickelt, um die Sicherheit im militärischen Strassenverkehr zu erhöhen.

Liebe Kollegen und Kolleginnen, konsultiert diese Karte gelegentlich (immer wieder) und handelt danach.

Für Militärmotorfahrer im Transportpool ist ein Trainingstag pro 12 Monate obligatorisch.

Um 07:30 Uhr marschieren wir mit unserem Gruppenleiter zu unseren Fahrzeugen. Zwei Steyr mit Anhänger, ein 10DM (herrliches Fahrzeug, nur leider keine Klimaanlage; dazu mehr später), ein alter und ein neuer Iveco. Ein weiterer NLG wird zur Ausfahrt noch zu uns stossen. Auf diesem wird ein Teilnehmer von unserm Präsi eingeführt, da er bis anhin noch keine Ausbildung auf diesem Fahrzeug erhalten hatte.

Aus meiner Sicht macht die Fahrzeugangewöhnung mit den Rückfragemöglichkeiten beim Gruppenleiter (der ja drauskommen muss) grossen Sinn, schult auch die Rücksichtnahme bei den eng gestellten Parcous (3 Pkt Wende, Einparkieren längs und quer, Slalom u.a.)

Ich habe mich wieder einmal mehr (vergeblich), hauptsächlich im Rückwärtsfahren mit Anhänger versucht. Bin ich so ungeschickt oder reichen 10 min alle paar Monate einfach nicht, das zu beherrschen? Das ist der kleine, aber wesentliche Unterschied zu einem Profi-Fahrer.

Die Morgenausfahrt, sauber dokumentiert auf einer Kartenkopie, eigentlich klar und deutlich, macht aber bereits Schwierigkeiten, frei nach dem Motto, wenn sich zwei im Cockpit gut verstehen, kommen sie wohl ans Ziel aber niemals auf der vorgegebenen Strecke. Schade ist dann einzig, dass der vorgesehene Fahrzeugwechsel verunmöglicht wird. Selber schuld, dass wir im unklimatisierten Steyr weiter schuften und schwitzen mussten. Auch ein Militärlastwagen mit Klimaanlage macht bei 30°++ durchaus Sinn. Es hilft bei der Konzentration auf die Strasse.

Apropos Hitze: Der anschliessend an diesen Samstag angesetzte Grillabend wird nicht auf dem Grillplatz stattfinden, sondern im Truppengebäude. Es sind heftige Gewitter angesagt. Und vor Hitzegewittern ist es immer besonders schwül. Ausnahmsweise waren nicht der 10DM sondern die gekühlten Ivecos begehrt, wen wundert das.

Die Strecke vor dem Mittagessen führte über Bubikon - Oetwil a S - Wetzwil - Forch - Ebmatingen – Gossau (der Hügelflanke entlang – nicht am Zürichsee!) und wieder zurück nach Hinwil.

Das Mittagessen, reichlich und sehr gut (Salat, Hörnli, Gehacktes, Apfelmuss, Kuchenstück und 1 Getränk) sowie vom Verein offeriert, erlaubte einen ersten Gedankenaustausch mit anderen Teilnehmern. Zur Strecke, schön … (sehr schön) –

Das Mittagessen wird vom Kursleiter und von den Teilnehmern mit einem anhaltenden Applaus verdankt.

Die Nachmittagstrecke führt uns ins Zürcher Weinland:

Turbenthal, Fahrerwechsel – Aadorf – Autobahn Parkplatz, Fahrzeugwechsel – Uesslingen – Truttikon – Marthalen, Fahrerwechsel – hier verzettelt sich die Gruppe wegen Umleitungen (Fantasie ist angesagt!).

Ich habe die Fahrt durch den kühlen (kühleren) Wald dem Rhein entlang zwischen Rheinau und Ellikon sehr genossen.

Irgendwo zwischen Trüllikon und Marthalen ist mir ein sehr schöner Kreisel mit einem Weinbottich aufgefallen; schade, ich hatte keine Zeit ein Bild zu schiessen.

Wir sind einem für mich neuen Phänomen begegnet: Normalerweise richten Sonnenblumen ihre Köpfe immer gegen die Sonne. Heute aber sind wir an drei Feldern vorbeigefahren, auf denen sämtliche Sonnenblumen ihre Köpfe von der Sonne abgewandt hatten; ich vermutete, die lang andauernde Hitze sei der Grund dafür. Der wahre Grund: Ausgewachsene Sonnenblumen bewegen sich nicht mehr und sind nach Osten ausgerichtet.

Irgendwie ist uns der Steyr mit dem Anhänger sehr anhänglich geblieben. Was soll’s, es ist ja schnell genug wieder Winter.

Zurück im LOG Center erwartet uns das übliche Prozedere: Tanken, Fahrtenkontrollheft und Zustandsrapport für LKW und Anhänger ausfüllen, Blitzliste vervollständigen und aushändigen, Staub von unterwegs wegwaschen.

Jedem Übungsleiter fällt eine Felswand vom Herzen, wenn keine grösseren Vorfälle vorgefallen sind. Kleine Landschäden oder wie in unserem Fall ein Belagsschaden müssten auch nicht sein, passieren aber leider.

Für mich war es abschliessend ein gelungener Tag. Ich konnte mich mit guten Kameraden austauschen, konnte ein paar Meter mit dem Anhänger rückwärtsfahren (bis er quer stand) und habe sicher ein paar Kilogramm Schweiss abgesondert. Ein Fitnessstudio hätte mich etwas gekostet. Dafür habe ich beim Steyr 200 km und 83 Liter Diesel eingeschrieben.

Ich musste mich leider vor der Schlussbesprechung kurz mit meinem Motorrad Richtung Zug verdrücken, denn am Himmel wurde es zu jenem Zeitpunkt einerseits dunkler und dunkler und anderseits kamen die grellen Blitze voll zur Geltung.

Zum Grill war ich frisch geduscht mit Anhang rechtzeitig zurück um zuzulangen – Timing war schon immer Alles.

Alfons Bobbià