Pünktlich um 13.00 Uhr wurden wir vom Technischen Leiter Hansruedi Deller begrüsst und eingewiesen. Die Teilnehmer wurden in 5 Gruppen eingeteilt und zu den auf dem Waschplatz bereitgestellten Fahrzeugen geführt.

                             Mercedes-Benz G 300 CDI

Als erstes galt es den Neuankömmling in Zweierteams zu beschnuppern und 14 Fragen dazu auf einem Blatt zu beantworten. Die richtigen Antworten wurden anschliessend vom Gruppenleiter kommuniziert und wo nötig noch erklärt und präzisiert.

Kursleitung und InstruktorenFragebogen ausfüllen... sind noch Fragen?

 Obwohl die Gruppenleiter ebenfalls erst kurz zuvor über dieses Fahrzeug instruiert wurden, konnten sie erstaunlich gut und kompetent das Gelernte an uns weitervermitteln. Wie immer bei neuen Fahrzeugen gibt es zahlreiche Details, Spezialitäten und Funktionen welche nicht auf den ersten Blick erkennbar sind, der Motorfahrer aber wissen und kennen sollte. Das Nachfüllen von Motorenoel ist beispielsweise aus «besonderen Gründen» untersagt und darf nur vom Personal des ALC vorgenommen werden.

Einparken

 

Anschliessend durften wir uns auf einem Parcours mit Slalom sowie seitlich und rückwärts einparken ein erstes Mal mit dem neuen Mercedes G vertraut machen.

 

 

 

 

Einparken

 

 

 

Viele Motorfahrer mokierten sich dabei über die ziemlich schwergängige Lenkung mit einer eher dürftigen Servounterstützung  sowie den relativ grossen Wendekreis von 13.6 m für dieses relativ kurze Fahrzeug. Ist halt etwas gewöhnungsbedürftig.

Auslegeordnung Etat

Im zweiten Teil folgte dann die Auslegeordnung über den gesamten Fahrzeug-Etat, vom Warndreieck über nützliche Kabeladapter, Gepäcknetz und den zahlreichen Spannsets. Unter dem Fahrer- und Beifahrersitz findet man nebst dem Cric vier «Chlaussäckli» mit den nicht mehr Schneeketten genannten Traktionsketten welche an diesem Fahrzeug auch nur paarweise, mindestens an der Hinterachse, aufgezogen werden dürfen. Eine spezielle Instruktion bedurfte das Ausfahren, Anbringen und wieder Verstauen und Sichern der Aufstiegsleiter zum massiven Roof- Rack. Dieses ist wie auch die Leiter aus Stahl und wiegt 95 kg was noch eine Dachnutzlast von 105 kg erlaubt.

Grip

 

Nun ging es noch kurz auf die Prüfstrecke und Steilrampe, wo man die Fahreigenschaften, Sperren (I Längssperre, II Quersperre HA, III Quersperre VA), Untersetzung (High/Low), usw. erproben konnte. Aufgefallen ist dabei, dass der Mercedes-Benz auch im Jahr 2017 noch nicht über einen «Hill Holder» verfügt und nach wie vor einen Handbremshebel hat. Das unbeladene Fahrzeug wird zwar knapp vom Drehmomentwandler gehalten, aber ob dies bei voller Last auch der Fall ist konnten wir nicht prüfen.

2 x 12 Volt

Die Daimler AG bezieht den Mercedes-Benz G wie auch schon seinen Vorgänger Puch aus Auftragsfertigung vom österreichischen Hersteller Magna in Graz. Die Entwicklung geht auf das Jahr 1972 der damaligen Steyr-Daimler-Puch zurück. Mit der Reorganisation der Vertriebsstrukturen im Jahr 2000 wurden alle Fahrzeuge als Mercedes gebadged und im Fahrzeugausweis Mercedes-Benz als Hersteller eingetragen. Die Grundstruktur ist bis heute grösstenteils unverändert, Motoren, Ausstattung und Sicherheit wurden jedoch kontinuierlich angepasst.

"Triebwerk": OM 642 DE 30 LA

 

Beim Motor des Typs «OM 642 DE 30 LA» handelt es sich um einen 3 L Common-Rail Direkteinspritzer 4-Ventil V6-Diesel mit 135 kW (184 PS) Leistung und 400 Nm Drehmoment. Zwecks kompakter Bauweise weist er einen untypischen Zylinderbankwinkel von 72 Grad auf. Der Motor wird im Baukastensystem zusammen mit dem V8 auf der gleichen Montagelinie im Werk Berlin-Marienfelde produziert. Um bei diesem Gabelwinkel einen kultivierten und vibrationsarmen Rundlauf zu gewährleisten bedingt es einer im V der beiden Zylinderbänke angeordneten Ausgleichswelle. 135 kW / 400 Nm bei einem Verbrauch von ca. 14 L Diesel auf 100 km sind für einen 3 Liter Motor keine Glanzresultate, für ein Militärfahrzeug jedoch tolerierbar. Den baugleichen Motor gibt es zivil noch in zahlreichen Leistungsstufen bis zu 195 kW.

Abgasaffäre: Wie aus verschiedenen Quellen berichtet wird, ist auch dieser Motor davon betroffen. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat diesbezüglich im Juli 2017 ein Untersuchungsverfahren mit dem Verdacht auf illegale Manipulierungen am Abgassystem eröffnet. Messungen hätten ergeben, dass der Motor die Abgasnorm «Euro 5» nur auf dem Prüfstand erfülle und im Betrieb auf der Strasse viel zu hohe Stickoxide (NOx) emittiere. Daimler bestreitet dies, ruft aber dennoch alle Fahrzeuge für ein Software Update in die Werkstatt zurück. Persönliche Anmerkung: Ein Euro 5 Dieselmotor mit DPF sollte eigentlich geruchsneutral sein. Bei diesem Motor kann man aber auch ohne Abgastester und nur mit der Nase leicht erkennen, dass dies wie bei den betroffenen Motoren aus dem Volkswagen Konzern bei weitem nicht der Fall ist. Wir werden sehen…

Nobles Teil

Trotz seiner äusseren Erscheinung und seinen in die 70-er Jahre zurückreichenden  Gene ist der G 300 kein Methusalem aus dem letzten Jahrhundert. Abgesehen von den manuellen Fensterkurbeln ist er mit einer Klimaanlage und sogar einem  Alpine-Radio  ausgestattet, welches den übermüdeten Motorfahrer vor Sekundenschlaf bewahren soll. Alles in Allem ist der Mercedes-Benz G 300 ein tolles und von vielen Armeen durch und durch erprobtes Allzweckfahrzeug, welches auch für unsere Armee und deren vielfältigen Einsatzanforderungen bestens geeignet und zweckmässig sowie absolut diensttauglich ist.

 

Ein nasskalter aber interessanter Nachmittag ging mit der WEMA dem Ende entgegen. Wiederum pünktlich um 17.00 Uhr verabschiedete uns TL Hansruedi Deller und hiess uns zum nächsten Event, der GV am 26. Januar 2018 im Hirschen Hinwil willkommen, für welche man sich übrigens ab sofort anmelden kann.

Kpl Motm Markus Dettwyler